Partikeltherapie |
Unter Partikeltherapie versteht man die Strahlentherapie mit Protonen oder anderen schweren Teilchen (z.B. Kohlenstoff-Ionen). Entsprechende Anlagen existierten bisher nur an wenigen Orten in der Welt und erfordern extrem hohe Investitionen.
Die Strahlentherapie spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung von Krebserkrankungen. 60-70% der Patienten mit bösartigen Erkrankungen erhalten im Krankheitsverlauf eine Bestrahlung. Wenn ein Krankenhaus eine Strahlentherapie-Abteilung betreibt, werden dort im Regelfall die meisten Tumorpatienten behandelt.
Die bisher in der klinischen Routine eingesetzten Linearbeschleuniger erzeugen locker ionisierende ultraharte Röntgenstrahlen (also Wellenstrahlung). Demgegenüber haben Protonen und schwere Teilchen gewisse physikalisch und/oder strahlenbiologische Vorteile. Mit Protonen und Ionen erreicht man eine besonders günstige Dosisverteilung in der Tiefe. Dadurch lassen sich extrem präzise Dosisverteilungen mit optimaler Schonung des gesunden Gewebes in der Umgebung erzeugen. Schwere Ionen haben außerdem einen höheren linearen Energietransfer; dadurch ist ihre biologische Wirkung höher als die von Röntgenstrahlen; dies könnte für die Behandlung von strahlenresistenten Tumoren vorteilhaft sein.
Für einige Erkrankungen wurden die weltweit besten Heilungsraten mit Protonentherapie erreicht. Dazu gehören vor allem bei Schädelbasistumoren, Augentumoren und Hochrisiko-Prostatakarzinome. Für diese Tumorentitäten muss die Protonentherapie nach dem derzeitigen Kenntnisstand als beste Strahlentherapie-Methode gelten. Außerdem bestehen Vorteile bei Kindern und jungen Erwachsenen, weil die Strahlenbelastung des gesunden Gewebes sinkt und sich dadurch das Risiko einer Krebsentstehung durch Bestrahlung verringert (weil sich dies allerdings erst nach 20-30 Jahren bemerkbar macht, spielt es für die meisten Patienten keine Rolle). Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (
DEGRO ) hat eine Liste von Erkrankungen erstellt, bei denen eine Protonen- oder Ionentherapie sinnvoll ist.
Die nationalen und internationalen Fachgesellschaften gehen zur Zeit davon aus, dass etwa 5% aller Strahlentherapie-Patienten für eine Protonentherapie in Frage kommen, also etwa 10.000 Fälle pro Jahr in Deutschland. Zurzeit ist eine Protonentherapie in Deutschland nur sehr eingeschränkt verfügbar. An mehreren Standorten sind Protonentherapiezentren bereits in der Bauphase oder in fortgeschrittener Planung, nämlich an der Universitätsklinik Heidelberg (Schwerionenanlage, Betrieb ab 2008 geplant), in München (Betreib ab 2008 geplant), an der Uniklinik Essen und dem Universitätsklinikum Marburg (Baubeginn ist erfolgt) und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (Baubeginn 2008 geplant). Bei einer geplanten Bauzeit von etwa vier Jahren werden somit ab ca. 2011 mehrere Anlagen auch in Deutschland zur Verfügung stehen.