Leiter: Universitätsprofessor Dr. med., Dr. med. univ.(H), C. sc.(H) György Kovács
Curriculum Vitae

Zertifikat zur Weiterbildung von Ärzten zur Erlangung des Zertifikats "Interventionelle Strahlentherapie (Brachytherapie)"
Anmeldung:
- Durch das Sekretariat (Frau Knutz) unter 0451-500 2264
Bei
der Brachytherapie (Kurzdistanztherapie) werden strahlende Substanzen
(Nuklide) an oder in das zu bestrahlende Gewebe eigeführt. Die dabei
abgegebene Strahlung zeichnet sich durch einen steilen Dosisabfall zur
Umgebung aus. Dadurch erreicht man auf einer Distanz von 1,5 - 2 cm von
der Strahlenquelle hohe - sicher tumorvernichtende - Dosen bei
gleichzeitiger guter Schonung des umgebenden gesunden Gewebes oder
Organe. Viele (besonders die sog. perioperative) Behandlungen werden im
engen interdisziplinären Kooperation mit anderen Fachrichtungen des
Universitätsklinikums durchgeführt. In solchen Fällen werden unsere
Patienten auf die Stationen der entsprechenden Kliniken aufgenommen und
interdisziplinär betreut. In unserer Klinik werden jährlich mehr
als 1000 Brachytherapiesitzungen, überwiegend in Afterloadingtechnik,
durchgeführt. Bei den Erkrankungen handelt es sich bei gegebener
Indikation um allen soliden Tumorarten in der Primärtherapie, sowie mit
palliativen Zielsetzung um Rezidivtumoren aller anatomischen
Bereiche. Eine Spezialität ist die interdisziplinäre
Behandlung von kindlichen Tumore sowie die Sehkrafterhaltende
multimodale Therapie bei Tumoren der Augenhöhle bzw. vorderen
Schädelbasis.
Die Schwerpunkte liegen in der Primär- bzw. Rezidivbehandlung von
Prostata-, Brust-, Kopf-Hals- Malignome, sowie in der Therapie der
Tumoren des Verdauungstraktes (Anal Ca., Rektum Ca.)
Afterloading-Technik
Die brachytherapeutischen Behandlungen erfolgen bei den meisten
Krankheiten in Afterloading-("Nachlade"-) Technik. Hierbei werden
Hohlapplikatoren (Metallnadel oder die sog. „plastic tube“ Technik mit
einem Außendurchmesser des Applikators deutlich unter 2 mm) in
anatomische Hohlräume (z. B. Gebärmutter, Luftwege, Speiseröhre) oder
direkt in das erkrankte Gewebe eingelegt und von außen sicher fixiert.
Manchmal werden auf die Haut- oder Schleimhautoberfläche individuelle
Applikatoren (Moulagen) angefertigt. Häufig wird die Einlage der
Applikatoren in Kombination mit einer operativen Entfernung des Tumors
durch die entsprechende Fachdisziplinen (allg. Chirurgie, Thorax,
Plastische-, HNO-, MKG- Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie,
Neurochirurgie, Ophthalmologie) interdisziplinär durchgeführt. Die
Bestrahlungsplanung erfolgt nach der Operation mittels dünnschicht-CT
und Hilfe eines Bestrahlungsplanungssoftware.

Anschließend wird die fraktionierte Bestrahlung durchgeführt – wobei
die meisten Patienten für die Zeit der Bestrahlung stationär bleiben.
Bei der Bestrahlung fährt die Strahlenquelle computergestützt durch die
Bestrahlungsplanung bestimmte Punkte in den Applikatoren an, um dort
genau berechnete Zeiten zu verweilen. Auf diese Weise wird die
gewünschte Dosisverteilung im Patienten realisiert. Die Lage des
Applikators wird auch unter Durchleuchtung beurteilt und kann ggfs.
korrigiert werden. Die reine Bestrahlungszeit mit den modernen Nukliden
- v. a. Iridium-192 mit einer Aktivität von 370 GBq - beträgt dabei nur
3 - 15 min. pro Fraktion. Häufig wird täglich zweimal mit 6 Stunden
Intervall bestrahlt, um die Behandlungszeit zu kürzen und dadurch die
Effektivität der Behandlung steigern. Die Afterloadingtechnik bietet
eine Reihe von Vorzügen: Die Dosisverteilung ist vor der eigentlichen
Bestrahlung berechnet- und und kann an individuellen anatomischen
Gegebenheiten optimal angepasst werden. Die hierdurch sichergestellte
gute Nachvollziehbarkeit der Dosisverteilung ermöglicht eine eventuelle
problemlose und sehr effektive Kombination mit einer perkutanen ("von
außen") Strahlentherapie . Ein wichtiger Vorteil der
Afterloadingtechnik ist die Vermeidung der Strahlenexposition des
behandelnden Personals. Die Bestrahlung von "innen" kann problemlos mit
der Bestrahlung von außen kombiniert werden.
Für die Behandlungen stehen zwei Bestrahlungsräume zur Verfügung.
Das Bereich Interdisziplinäre Brachytherapie der UK-SH Campus Lübeck
ist eine nationale und internationale Aus- und Weiterbildungsort, sowie
Referenz-Zentrum der Firmen Varian Medical Systems (U.S.A.), BK Medical
(Denmark), Nucletron (The Netherlands).
Bei der Behandlungen verwendeten Gerätepark:
Ultraschallgerät:
- ProFocus
(BK Medical) mit einem biplanaren Sonde für die Prostataimplantationen,
einem 360° bildgebenden Sonde für die Anal- und
Vaginalkarzinombehandlungen und eine abdominelle Sonde für die
diagnostische Untersuchungen, sowie Power- und Color Doppler Funktion
für die biologische Bestrahlungsplanung.
- Civco (U.S.A.) Stepper mit einem Twister Unit für die 3D Bildgebung
Afterloadinggeräte:
- HDR Classic (Nucletron)
- VariSource (Varian)
Bestrahlungsplanung:
- BrachyVision 6.5 (Varian)
- Plato 14.3 (Nucletron)
- Vitesse-2 (Varian)
- Die
CT-basierte Planung wird mit Hilfe des Datensatzes der 16-zeiler CT
(Aquillon, Toshiba), die 3D Rekonstruktion der anatomischen Daten
mit der VITREA –Software durchgefürt.
Integrated Brachytherapy Unit (IBU):
- mit
Hilfe der IBU, kann man intraoperativ in beliebigen Ebenen
Röntgenuntersuchungen durchführen (um die Implantationsqualität
verbessern) und die digitale Röntgenbilder direkt in die
Planungscomputern weiterleiten und dort entsprechend für die
Bestrahlungsplanung / Archivierung verwenden (Nucletron).
Therapie des peripheren Netzhautmelanoms:
- für diese Behandlungsform stehen zwei Ruthenium/Rhodium Kalotten zur Verfügung (CCA, CCD, - BEBIG, Berlin).
Anmeldung:
- Durch das Sekretariat (Frau Knutz) unter 0451-500 2264

Abb. 1a: Afterloading I. Operations- und Behandlungsraum mit IBU (Integrated Brachytherapy Unit)

Abb. 1b: Afterloading II. VariSource von Varian

Abb. 2
: HDR- Implantation des Prostatakarzinoms (A:Twister mit TRUS-Einheit,
B: biplanare Sonokopf im Rektum, C: fertige Implantation während der
Bestrahlung, D: intraoperative, dynamische Bestrahlungsplanung mit der
Vitesse-2 Software)
 
 
Abb. 3: Postoperative Implantation eines Mammakarzinoms nach brusterhaltender Operation (partielle Brustbestrahlung)
A: Markierung des Zielgebietes unter Durchleuchtungskontrolle, B: Einbringer der Nadel, C: Einbringer der „plastic tubes“, D: 3D-Rekonstruction der Kanäle, der Anatomie und des Zielgebietes, markiert durch Metallclips, E: Typische Dosisverteilung einer partiellen Brustbestrahlung.
  

Abb. 4: Perioperative Implantation eines Thoraxwandrezidivs nach Mammakarzinom im vorbestrahlten Bereich



Abb.5: Implantation von Sarkomen der Extremitäten
  
 
Abb 6: Perioperative Implantation eines kindlichen Rhabdomyosarkomrezidiv in der Prostataloge

Abb. 7 : TRUS (transrektale Ultraschall) unterstützte HDR-Implantation eines Analkarzinoms
Abb.8: Perioperative Implantation einer Nebennierenmetastase
 
Abb. 9:
Perioperative Implantation von „plastik tubes“ für die postoperative
HDR-bestrahlung von nicht vollständig rezezierten (R1)
Karzinomrezidivem im Bauch- sowie Beckenbereich

Abb. 10:
Implantation von „plastic tubes“ für die HDR-Bestrahlung bei einem
Zungengrundkarzinom (CT-Rekonstruktion sowie 3-D Dosisverteilung)

 
Abb.11:
Implantation von „plastic tubes“ für die HDR-Brachytherapie am
Schädelbasis & Orbita im Sinne einer augenerhaltenden kombinierten
chirurgischen-strahlentherapeutischen Therapie eines rezidivs im
vorbestrahlten Bereich.
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